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Predigt

psalm 23

Auf dieser Seite finden Sie die jeweilige Predigt des vergangenen Sonntags und weitere Texte und Gebete.

Predigt am 18. April, Sonntag "Misericordias Domini", 2. Sonntag nach Ostern

Pastor Tom Ogilvie in der Kirche Pinnow

 

Gnade sei mit Euch und Friede von Gott, unserem Vater, und dem Herrn Jesus Christus.

 

Predigttext: Psalm 23

1 Der HERR ist mein Hirte,

mir wird nichts mangeln.

2 Er weidet mich auf einer grünen Aue

und führet mich zum frischen Wasser.

3 Er erquicket meine Seele.

Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen.

4 Und ob ich schon wanderte im finstern Tal,

fürchte ich kein Unglück;

denn du bist bei mir,

dein Stecken und Stab trösten mich.

5 Du bereitest vor mir einen Tisch

im Angesicht meiner Feinde.

Du salbest mein Haupt mit Öl

und schenkest mir voll ein.

6 Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,

und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.

 

Liebe Schwestern und Brüder,

1

draußen ist es dunkel. Die Umrisse von Kiefern sind durch die hohen Fenster zu sehen. Ich höre sie rauschen.  Manchmal denke ich, auch das Meer hören zu können. Aber das ist wohl ein Trugschluss.

Im Krankenhaus ist alles still. Die Nachtschwester sitzt in ihrem Büro, das Licht leuchtet bis auf den Flur. Vielleicht ordnet sie Patientenakten oder guckt Fernsehen. Es ist egal.

Auch in dem Krankenzimmer ist es still. Nur der leise Atem meiner Großmutter ist zu hören. Ein und aus, ein und aus. Sie ist noch da, sie atmet.

 

Als ich abends kam, war sie nicht bei Bewusstsein. Die Lage ist unklar. Der Schlaganfall war schwer. In jedem Fall wird etwas zurückbleiben. Vermutlich schafft sie es nicht.

Aber hatte sie sich nicht schon einmal von einer schweren Erkrankung erholt? Und waren damals die Ärzte nicht genau so skeptisch?

 

Leise tickt die Uhr auf dem Nachttisch. Das Licht habe ich ausgemacht. Ich bin zu müde zum Lesen. Aber ich will auch nicht einschlafen. Und sie allein lassen. Wenn es jetzt ihre letzten Stunden sind?

 

Angst vor dem Tod hatte ich schon als kleiner Junge. Da suchte ich Trost bei meinen Eltern. Jetzt bin ich ein Mann, habe die Bibel studiert. Ich tröste Andere. Was ist Trost für mich? Welches Wort erreicht mich hier in der Stille, in der Dunkelheit, in meiner Müdigkeit, meiner Verzagtheit?

 

„Und ob ich schon wanderte im finsteren Tal…

Der Psalm hat so kraftvolle Bilder. Ja, ich stecke darin – in diesem Tal. Und ich fürchte mich. Mein Hals fühlt sich trocken an – wie vor einer Angina. Die Stunden werden mir lang, kein Ausweg ist in Sicht…

 

„Der Herr ist mein Hirte, mir wird nichts mangeln…“

Die Bilder gehen mir durch den Kopf, manche schaue ich mir lange an. Sie machen mich ruhiger, widerstandsfähiger / resilienter.

Sie helfen mir durch die Nacht bis der Morgen graut. Wie gut, dass ich den Psalm bei mir habe – ganz tief im Inneren.

2

Heute, an diesem 18. April 2021, wird an die vielen Opfer von Corona gedacht. In Deutschland sind es fast 80.000. Eine Zahl, schwer vorstellbar. In Wismar leben nur 45.000 – fast doppelt so viele sind in einem Jahr an diesem Virus gestorben. Wieviel zusätzliches Leid, zusätzliche Angst, zusätzliches Sorgen über das hinweg, was den Alltag sonst beschwert.

 

Und wir fragen mit vielen anderen Menschen nach Worten, die uns hoffnungsvoller machen, widerstandsfähiger, optimistischer, fröhlicher - allem Leid zum Trotz.

 

Und auch schon vor dieser Pandemie gab es Situationen, die Menschen in Angst, Verzweiflung und Glaubenskrisen geführt haben. Und manche berichten, welche Wege hinaus sie gefunden haben.

3

Eine davon ist Ulla Franken aus Berlin. Bis zu ihrem Tod im Sommer 2000 war sie Pastorin in der Emmaus – Kirche in Berlin-Kreuzberg.

Nach ihrer Krebs- Diagnose und während ihrer Behandlung war ihr der 23. Psalm ein Trost in schwerer Zeit. Die vertrauten Worte erschlossen sich ihr in ganz neuer Weise. Auf den bekannten Text antwortete sie mit kleinen Meditationen:

Der HERR ist mein Hirte.

An diesen fünf Worten versuche ich mich festzuhalten hier in dieser Röhre, damit ich nicht in Panik verfalle allein im Raum und in dem engen und doch riesigen Gerät. Vor zehn Tagen habe ich die Diagnose bekommen: Brustkrebs, bösartig, drei Zentren in der rechten Brust, befallene Lymphdrüsen in der Achselhöhle. Jetzt sucht die Aufnahmeröhre über mir nach Metastasen in meinen Knochen. Das erste Mal seit diesen zehn Tagen bin ich wirklich allein. Nein, ich will dieses Wort nicht denken: allein. Und doch schleicht es sich in alle Sätze, die ich denken kann in dieser Situation. In einem findet das Schreckenswort keinen Platz: Der Herr ist mein Hirte.

Mir wird nichts mangeln.

Sätze über meine Zukunft werden unweigerlich zu Fragesätzen. Fragezeichen stehen auf einmal überall da, wo mir bis gerade eben die Punkte und Ausrufezeichen noch so sicher platziert schienen. Mir wird nichts mangeln: fast erscheint mir dieser Satz zynisch. Denn es wird mir an einer Brust mangeln, sogar an der schöneren von meinen beiden. Es wird mir an Gesundheit mangeln, denn auch, wenn ich diese Krankheit besiege, werde ich mich nie wieder als so gesund ansehen können wie bisher. Es wird mir an Unbeschwertheit mangeln, an der Lebenslust, die die Realität, ja, sogar die Möglichkeit des Todes für Zeiten völlig vergessen läßt. Ob es sein kann, dass ich „Ich“ bleibe, neu werde trotz all dieser Mängel? Ob es sein kann, dass all diese Mängel sein können, ohne dass sie mein Leben, mein Ich-Sein, bestimmen? Dann wäre dieser Satz nicht mehr zynisch, dann wäre er ein Hoffnungssatz: mir wird nichts mangeln.

Er weidet mich auf einer grünen Aue und führet mich zum frischen Wasser.

Er erquicket meine Seele. Er führet mich auf rechter Straße um seines Namens willen. 

In der Urlaubswoche vor der Operation kann ich das glauben und spüren. Auf der Decke im Gras neben meinem Mann kann ich es spüren und im weiten Blick über das Meer vor meiner geliebten Insel. Und doch bleiben Fragen. Warum trifft mich diese Krankheit? Warum tut mein Gott mir das an? Tut Er mir das an, oder ist es jemand anderes, etwas anderes, was diese Krankheit zu verantworten hat? Bin ich es selber, bin ich schuld? Oder ist Er der, der mich verflucht? Dann will ich auch über Ihn fluchen können, gegen Ihn schreien, mich Seiner Führung verweigern. Lieber will ich glauben, dass mein Gott der Gott dieses Psalmverses ist, der, der mich in aller Not segnet mit Seiner Kraft und den Genüssen Seiner Schöpfung. Mein Gott soll Friede heißen, Gerechtigkeit, Trost, Leben, nicht Schuld, Strafe oder Fluch.

 Und ob ich schon wanderte im finstern Tal, fürchte ich kein Unglück; denn du bist bei mir, dein Stecken und Stab trösten mich.

 `Die Überlebens- und Bewältigungsgröße in schweren Krisen ist nicht das Individuum, sondern das Paar.`, sagte neulich in einer Radiosendung über Geiselopfer ein Polizeipsychologe. Ja, ich bin froh, dass ich zu einem Paar gehöre, dass mein Mann nicht geflüchtet ist wie die Männer vieler anderer Frauen in vergleichbarer Situation, die ich bei meinen Krankenhausaufenthalten kennengelernt habe. Dass er bei mir ist als ein Du zum Anfassen, zum Hören, zum gemeinsam Weinen und trotz alledem zusammen Lachen. Und ich bin froh, dass mein Gott noch nicht geflüchtet ist aus meiner Seele, dass er mir geblieben ist und ich an Ihn denken kann als Quelle von Kraft, Hoffnung und Trost.

Du bereitest vor mir einen Tisch im Angesicht meiner Feinde.

Feinde – dieses Wort hatte ich aus meiner Sprache eigentlich gestrichen. Unbemerkt müssen sie mir schon Monate, vielleicht Jahre ganz nahe gewesen sein, hatten sich in mir, in meinem Körper eingenistet und ihn für ihre Zwecke missbraucht. Und doch waren sie nur auf Monitoren und unter Mikroskopen zu sehen. Wäre da nicht jetzt nach der Operation die lange Narbe, wo bisher meine rechte Brust war, wären diese Feinde immer noch unfassbar, unbegreiflich. Jetzt kann ich zumindest den Kampfplatz sehen und anfassen, die Wunden fühlen und betrauern, den Verlust begreifen: meine Feinde haben ein Angesicht bekommen. Und mit jedem Mal, wo sie sich nicht mehr verstecken können, bin ich dem Sieg über sie ein Stück näher gekommen.

Du salbest mein Haupt mit Öl und schenkest mir voll ein.

Sechs Wochen nach der bisherigen Chemotherapiebehandlung beginnen meine Haare langsam wieder zu wachsen. Jeden Millimeter, jede Nuance der Dunklerfärbung auf meinem monatelang kahlen Kopf beobachte ich voller Hoffnung, aber auch voller Sorge. Denn die nächste Behandlungseinheit steht kurz bevor. Wird sie die zarten Haarpflänzchen wieder zunichte machen? Wird sich das bis heute für mich traumatische Erlebnis des Haarausfalls noch einmal wiederholen?           

Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang,

und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar. 

Viele liebe Menschen haben an mich gedacht in den letzten Monaten, haben mir geschrieben, mich besucht, mich beschenkt, für mich und für meine Familie gebetet: viel Gutes und Barmherzigkeit haben mich begleitet. Wie sehr dies alles geholfen hat zum Leben und Standhalten, können die einzelnen vielleicht gar nicht ermessen. Und doch war mir jedes dieser Worte ein Wahrheitszeichen dieser großen Hoffnung und Zusage und wird es mir weiterhin sein auf dem Weg, der noch zurückzulegen ist: Gutes und Barmherzigkeit werden mir folgen mein Leben lang, und ich werde bleiben im Hause des HERRN immerdar.“

Amen.

 

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre unsere Herzen und Sinne in Christus Jesus.

 

 

 

 

 

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Fürbittgebet angesichts der Verbreitung von COVID-19

 

O Gott, unser Heiler, zeige dein Erbarmen für die ganze

Menschheitsfamilie, die in Unruhe und mit Krankheit und Angst belastet ist.

Höre unser Rufen, o Gott,

    Erhöre unser Gebet.

Hilf uns während sich der Coronavirus weltweit ausbreitet,

heile diejenigen, die krank sind,

unterstütze und schütze ihre Familien und Freunde vor einer Ansteckung.

Höre unser Rufen, o Gott,

    Erhöre unser Gebet.

Schenke uns Deinen Geist der Liebe und Selbstverantwortung,

damit wir gemeinsam das Coronavirus bekämpfen und ausrotten können.

Höre unser Rufen, o Gott,

    Erhöre unser Gebet.

Lass uns wachsam, achtsam und proaktiv bei der Ausrottung aller

Krankheiten sein, Malaria, Dengue, HIV und Aids und anderer,

die Leid verursachen und oft zum Tod vieler Menschen führen.

Höre unser Rufen, o Gott,

    Erhöre unser Gebet.

Heile unsere Selbstbezogenheit und Gleichgültigkeit,

die uns nur dann beunruhigt, wenn das Virus uns bedroht,

öffne Wege jenseits von Zaghaftigkeit und Angst,

wodurch wir unsere Nächsten allzu leicht ignorieren.

Höre unser Rufen, o Gott,

    Erhöre unser Gebet.

Stärke und ermutige diejenigen,

die im öffentlichen Gesundheitswesen und im medizinischen Bereich tätig sind:

Pflegekräfte, Krankenpflegepersonal, Betreuende, Ärzte, alle, die sich für die

Bedürfnisse der Kranken und ihrer Familien einsetzen.

Höre unser Rufen, o Gott,

Erhöre unser Gebet.

Inspiriere alle Forschenden, die an der Entwicklung eines Impfstoffs arbeiten,

gib ihnen Erkenntnisse und Hoffnung.

Höre unser Rufen, o Gott,

    Erhöre unser Gebet.

Unterstütze alle Arbeitnehmenden und Geschäftsleute,

die aufgrund von Schließungen, Quarantänen, geschlossenen Grenzen und anderen

Einschränkungen in ihrem Lebensunterhalt gefährdet sind ... schütze und

bewahre alle, die reisen müssen.

Höre unser Rufen, o Gott,

    Erhöre unser Gebet.

Leite die führenden Politikerinnen und Politiker der Nationen, dass sie die Wahrheit sagen,

die Verbreitung von Fehlinformationen unterbinden und

gerecht handeln, damit die ganze Menschheit Heilung erfahre.

Höre unser Rufen, o Gott,

    Erhöre unser Gebet.

Heile unsere Welt, heile unsere Körper, stärke unsere Herzen und unseren

Geist und gib uns inmitten des Aufruhrs Hoffnung und Frieden.

Höre unser Rufen, o Gott,

    Erhöre unser Gebet.

Halte in deiner sanften Umarmung alle fest, die gestorben sind und die

heute sterben werden. Tröste ihre Lieben in ihrer Verzweiflung.

Höre unser Rufen, o Gott,

    Erhöre unser Gebet.

Gedenke in deiner Liebe der Schwestern und Brüder,

der gesamten Menschheit und deiner ganzen Schöpfung.

Amen!

 

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Gebet:

Guter Gott, du bist in unserer Mitte,

dein Wort öffnet Wege, verspricht neuen Mut.

    Gott, dir sei Dank.

Nun aber bitten wir, für unsere Kinder, bewahre sie,

für unsere Alten, behüte sie,

für alle, die in der Mitte des Lebens stehen, stärke sie,

nimm dich unser an.

Gib Ruhe in aufgewühlten Seelen,

Vernunft in hektische Gedanken,

schenke Besonnenheit in allem Tun.

    Gott, höre unser Gebet.

Guter Gott, du bist in unserer Mitte,

dein Wort öffnet Wege, verspricht neuen Mut.

    Gott, dir sei Dank.

Nun aber bitten wir, für alle, die Verantwortung tragen, in Politik, Medien und Wirtschaft, stärke sie,

für die, die Dienst tun in Kliniken, Rettungsdiensten,

bei Polizei und Feuerwehr, Lebensmittelgeschäften und Apotheken, schütze sie,

für alle, die Dienst tun für unsere Kommune, hilf helfen,

nimm dich ihrer an.

Gib Ruhe in aufgewühlten Seelen,

Vernunft in hektische Gedanken,

schenke Besonnenheit in allem Tun.

Gott, höre unser Gebet.

(Übernommen von: Evangelisches Pfarramt Ahlbeck-Zirchow auf Usedom)