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SONDERSEITE Corona-Zeiten

Auf dieser Seite finden Sie die jeweilige Predigt des vergangenen Sonntags und weitere Texte und Gebete.

 

Predigt am Sonntag Jubilate 2020, Pfarrgarten Pinnow

gehalten von Pastor Tom Ogilvie

 

Gnade sei mit Euch und Friede, von Gott, unserem Vater und dem Herrn Jesus Christus.

 

Liebe Schwestern und Brüder,

Teil 1

Nach 8 Wochen feiern wir heute zum ersten Mal wieder einen gemeinsamen Gottesdienst. Das hat mir gefehlt und ich freue mich, mit Euch zusammen das Wort Gottes zu hören und sogar gemeinsam zu singen!

Viele von uns haben in den letzten Wochen immer wieder Gebrauch von unseren offenen Kirchen gemacht. Inzwischen ist es für mich zu einem schönen Ritual geworden: zwei Mal am Tag komme ich in die Kirche, grüße den Jesus am Kreuz und ich entzünde eine Kerze für jemanden, der mir in den Sinn kommt oder wo ich denke, dass sie oder er das Licht besonders nötig hat.

So manche/r hat am Sonntag am „Puschen – Gottesdienst“ teilgenommen – Gottesdienste im Fernsehen oder im Internet. Das war eine große Hilfe!

Aber jetzt dürfen wir uns wieder begegnen – auf Abstand, um unseren Nächsten vor Ansteckung zu schützen.

 

Teil 2

Und wir sitzen heute in unserem Pfarrgarten. Früher wurde hier Obst und Gemüse angebaut. Heute sind um uns herum ein paar Johannisbeerbüsche und Apfelbäume zu sehen. Während dieser Krise habe ich manchmal daran gedacht, den Boden wieder urbar zu machen, aber dabei ist es erst einmal geblieben.

Aber im Herbst und im Frühling schaue ich, dass ich den Apfelbäumen einen Pflegeschnitt „verpasse“. Das ist wichtig, damit man die Triebe (Wassertriebe) zurückschneidet, die dem Baum unnütz Kraft entziehen. Dann haben die anderen Triebe mehr Kraft. Der Baumschnitt ist eigentlich keine große Sache. Meine Mutter sagt immer: wichtig ist, dass man einen Hut durch die Krone werfen könne.

 

Teil 3

Apfelbäume, Gartenscheren, Wassertriebe – das sind alles uns vertraute Bilder. Und jede/r versteht sofort, was ich meine.

 

Das kennen wir auch aus den Reden von Jesus. In Gleichnissen oder Bildreden hat er den Menschen seiner Zeit deutlich gemacht, was er für wichtig hält. Aus dem 15. Kapitel des Johannes – Evangeliums hören wir heute ein Bibelwort, das Jesus im Rahmen seiner Abschiedsreden gesagt hat. Es ist das letzte seiner berühmten „Ich-bin-Worte“:

 

1 Ich bin der wahre Weinstock und mein Vater der Weingärtner.

2 Eine jede Rebe an mir, die keine Frucht bringt, wird er wegnehmen; und eine jede, die Frucht bringt, wird er reinigen, dass sie mehr Frucht bringe.

3 Ihr seid schon rein um des Wortes willen, das ich zu euch geredet habe.

4 Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt.

5 Ich bin der Weinstock, ihr seid die Reben. Wer in mir bleibt und ich in ihm, der bringt viel Frucht; denn ohne mich könnt ihr nichts tun.

6 Wer nicht in mir bleibt, der wird weggeworfen wie eine Rebe und verdorrt, und man sammelt sie und wirft sie ins Feuer und sie müssen brennen.

7 Wenn ihr in mir bleibt und meine Worte in euch bleiben, werdet ihr bitten, was ihr wollt, und es wird euch widerfahren.

8 Darin wird mein Vater verherrlicht, dass ihr viel Frucht bringt und werdet meine Jünger.

 

Teil 4

Liebe Schwestern und Brüder,

das Bild vom Weinstock und dem Weingärtner wird im Alten Testament recht häufig genutzt. Oft steht es im Zusammenhang von Drohworten gegen Gottes eigenes Volk: „Ich aber hatte dich gepflanzt als einen edlen Weinstock, ein ganz echtes Gewächs. Wie bist du mir denn geworden zu einem schlechten, wilden Weinstock?“ (Jeremia 2, 21) Der unnütze Weinstock wird ausgerissen, die Mauern, die den Weingarten beschützen, werden abgerissen, der Wein dem Verderben preisgegeben.

Dass seinen Zuhörern dieses Bildwort aus dem Alten Testament bekannt war, auch davon konnte Jesus ausgehen.

Aber jetzt kommt etwas Neues, etwas, das sich nicht vom Alten Testament her verstehen lässt: Es geht jetzt um einen Dreiklang (nicht nur Weinberg und Weingärtner – Israel und Gott): den Weinstock, die Reben und den Weingärtner. Wer ist wer?

  • Gott der Weingärtner: er trägt die Verantwortung und die Sorge um den Wachstums- und Reifeprozess der Reben. Sein Ziel ist ein hoher Ertrag. Daher schneidet er unnütze Triebe ab.

  • Die Reben – das sind wir. An uns wachsen die Trauben, die Früchte unseres Tuns.

  • Und Jesus – er ist der Weinstock.

Nirgendwo im Alten Testament finden wir den Weinstock als Bild oder die Bezeichnung für den Messias.

 

„Bleibt in mir und ich in euch. Wie die Rebe keine Frucht bringen kann aus sich selbst, wenn sie nicht am Weinstock bleibt, so auch ihr nicht, wenn ihr nicht in mir bleibt.“

 

Teil 5

Es ist ja immer wieder erstaunlich, wie die Auswahl der Predigttexte manchmal in die aktuelle Situation unserer Zeit passt!

Eingangs habe ich schon beschrieben, welche Sehnsucht manche von uns danach hatten, gemeinsam zu hören, zu beten, zu singen. Es war beinahe schwierig, einen Wochen - Rhythmus zu finden, wenn der Sonntag nicht anders ist als andere Tage.

Gerade in Zeiten,

  • die unser Leben bedrohen,

  • Zeiten, in denen wir keinen direkten Kontakt zu Eltern, Kindern, Großeltern, Enkeln und Freunden haben sollen,

  • Zeiten, in denen die Menschen Angst vor Arbeitslosigkeit und Verschuldung haben,

  • Zeiten, die Menschen in die Vereinsamung und manche in Depressionen stürzen,

gerade in dieser Zeit brauchen wir Halt und Kraft und Leben.

Wie die Rebe Kraft bekommt durch den Weinstock, so bekommen wir Kraft und Halt und Leben, wenn wir an unserem Glauben festhalten.

 

Teil 6

Manchem von uns gelingt das gut. Da zeigt sich, dass die häufige Beschäftigung mit Fragen des Glaubens zu einem inneren Fundament geführt hat, das nicht so leicht zu erschüttern ist. Wer gelernt hat zu beten, ist klar im Vorteil. Und wer schon in guten Zeiten seine Hoffnung auf Gott gesetzt hat, dem fällt das Vertrauen in dieser Zeit leichter.

 

Im Gleichnis vom „Viererlei Acker“ streut der Bauer seinen Samen auf Wege, Felsen, unter die Dornen und auf guten Boden (Matthäus 13, 1-9). Und auch wenn am Ende viel Frucht aufgeht, ist es jedes Mal schade, wenn Saat verdorrt und vergeht.

Aber das ist unsere Realität: die Sorgen des Lebens wachsen im Moment bei manchen sehr. Und viele kleine Pflänzchen der Hoffnung werden erdrückt. Manche Saat des Glaubens ist auf  Fels gefallen. Das heiße Wetter der letzten Wochen (vielleicht ein Bild für die ständige Berichterstattungen der Corona-Pandemie) hat alles verbrannt. Und mancher Unheilsprophet spottet: und wo ist jetzt euer Gott?

 

Teil 7

Der Apostel Paulus hat ein trostvolles, ja fast mächtiges Wort gegen die Angst gesprochen. Er war ja selbst nicht frei davon. Und immer wieder wurden er selbst und die junge Saat des Glaubens bedroht. Aber dann kommt er zu dem Schluss:

31 Ist Gott für uns, wer kann wider uns sein?

32 Der auch seinen eigenen Sohn nicht verschont hat, sondern hat ihn für uns alle dahingegeben – wie sollte er uns mit ihm nicht alles schenken?

34 Wer will verdammen? Christus Jesus ist hier, der gestorben ist, ja vielmehr, der auch auferweckt ist, der zur Rechten Gottes ist und uns vertritt.

35 Wer will uns scheiden von der Liebe Christi? Trübsal oder Angst oder Verfolgung oder Hunger oder Blöße oder Gefahr oder Schwert?

37 Aber in dem allen überwinden wir weit durch den, der uns geliebt hat.

38 Denn ich bin gewiss, dass weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte noch Gewalten, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges,

39 weder Hohes noch Tiefes noch eine andere Kreatur uns scheiden kann von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserm Herrn.

Amen

Und der Friede Gottes, der höher ist als alle Vernunft, bewahre eure Herzen und Sinne in Christus Jesus.

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Fürbittgebet angesichts der Verbreitung von COVID-19

 

O Gott, unser Heiler, zeige dein Erbarmen für die ganze

Menschheitsfamilie, die in Unruhe und mit Krankheit und Angst belastet ist.

Höre unser Rufen, o Gott,

    Erhöre unser Gebet.

Hilf uns während sich der Coronavirus weltweit ausbreitet,

heile diejenigen, die krank sind,

unterstütze und schütze ihre Familien und Freunde vor einer Ansteckung.

Höre unser Rufen, o Gott,

    Erhöre unser Gebet.

Schenke uns Deinen Geist der Liebe und Selbstverantwortung,

damit wir gemeinsam das Coronavirus bekämpfen und ausrotten können.

Höre unser Rufen, o Gott,

    Erhöre unser Gebet.

Lass uns wachsam, achtsam und proaktiv bei der Ausrottung aller

Krankheiten sein, Malaria, Dengue, HIV und Aids und anderer,

die Leid verursachen und oft zum Tod vieler Menschen führen.

Höre unser Rufen, o Gott,

    Erhöre unser Gebet.

Heile unsere Selbstbezogenheit und Gleichgültigkeit,

die uns nur dann beunruhigt, wenn das Virus uns bedroht,

öffne Wege jenseits von Zaghaftigkeit und Angst,

wodurch wir unsere Nächsten allzu leicht ignorieren.

Höre unser Rufen, o Gott,

    Erhöre unser Gebet.

Stärke und ermutige diejenigen,

die im öffentlichen Gesundheitswesen und im medizinischen Bereich tätig sind:

Pflegekräfte, Krankenpflegepersonal, Betreuende, Ärzte, alle, die sich für die

Bedürfnisse der Kranken und ihrer Familien einsetzen.

Höre unser Rufen, o Gott,

Erhöre unser Gebet.

Inspiriere alle Forschenden, die an der Entwicklung eines Impfstoffs arbeiten,

gib ihnen Erkenntnisse und Hoffnung.

Höre unser Rufen, o Gott,

    Erhöre unser Gebet.

Unterstütze alle Arbeitnehmenden und Geschäftsleute,

die aufgrund von Schließungen, Quarantänen, geschlossenen Grenzen und anderen

Einschränkungen in ihrem Lebensunterhalt gefährdet sind ... schütze und

bewahre alle, die reisen müssen.

Höre unser Rufen, o Gott,

    Erhöre unser Gebet.

Leite die führenden Politikerinnen und Politiker der Nationen, dass sie die Wahrheit sagen,

die Verbreitung von Fehlinformationen unterbinden und

gerecht handeln, damit die ganze Menschheit Heilung erfahre.

Höre unser Rufen, o Gott,

    Erhöre unser Gebet.

Heile unsere Welt, heile unsere Körper, stärke unsere Herzen und unseren

Geist und gib uns inmitten des Aufruhrs Hoffnung und Frieden.

Höre unser Rufen, o Gott,

    Erhöre unser Gebet.

Halte in deiner sanften Umarmung alle fest, die gestorben sind und die

heute sterben werden. Tröste ihre Lieben in ihrer Verzweiflung.

Höre unser Rufen, o Gott,

    Erhöre unser Gebet.

Gedenke in deiner Liebe der Schwestern und Brüder,

der gesamten Menschheit und deiner ganzen Schöpfung.

Amen!

 

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Gebet:

Guter Gott, du bist in unserer Mitte,

dein Wort öffnet Wege, verspricht neuen Mut.

    Gott, dir sei Dank.

Nun aber bitten wir, für unsere Kinder, bewahre sie,

für unsere Alten, behüte sie,

für alle, die in der Mitte des Lebens stehen, stärke sie,

nimm dich unser an.

Gib Ruhe in aufgewühlten Seelen,

Vernunft in hektische Gedanken,

schenke Besonnenheit in allem Tun.

    Gott, höre unser Gebet.

Guter Gott, du bist in unserer Mitte,

dein Wort öffnet Wege, verspricht neuen Mut.

    Gott, dir sei Dank.

Nun aber bitten wir, für alle, die Verantwortung tragen, in Politik, Medien und Wirtschaft, stärke sie,

für die, die Dienst tun in Kliniken, Rettungsdiensten,

bei Polizei und Feuerwehr, Lebensmittelgeschäften und Apotheken, schütze sie,

für alle, die Dienst tun für unsere Kommune, hilf helfen,

nimm dich ihrer an.

Gib Ruhe in aufgewühlten Seelen,

Vernunft in hektische Gedanken,

schenke Besonnenheit in allem Tun.

Gott, höre unser Gebet.

(Übernommen von: Evangelisches Pfarramt Ahlbeck-Zirchow auf Usedom)